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Vortrag zur Führung am 09.07.2016

Einführung und Rückblick:

Vortrag zur Führung durch die Mertensaue am 9.Juli 2016

 

Wie die meisten von Ihnen ja schon wissen, hat es im September vorigen Jahres in der NDZ, der DEWEZET und dem Deister-Anzeiger der HAZ/NP schon recht ausführliche Beiträge aus der Feder der Journalistin Mira Colic über die Mertensaue gegeben. Und unser Bürgermeister Hartwig Möller hat dafür gesorgt, dass auf der Homepage der Gemeinde Brullsen-Hachmühlen unsere Pressemitteilung ungekürzt veröffentlicht wurde – wofür wir besonders dankbar sind.

Auch unser Hachmühlener Naturfreund, naturkundiger Jäger und freier Journalist Gerhard Honig hat im März dieses Jahres anlässlich unserer Aufnahme in den örtlichen Förderverein über die Mertensaue in der NDZ berichtet.

 

Damit will ich sagen: es ist schon viel bekannt oder könnte bekannt sein, und ich will jetzt in dieser Art „Vorwort“ zur eigentlichen Führung nicht all das wiederholen, was bereits geschrieben wurde. Aber wie es zu dieser totalen Umgestaltung des vor 2014 hier noch sichtbaren Landschaftsbildes kam, und warum es dazu kam, davon möchte ich kurz berichten. 

 

 

Als ich vor 15 Jahren das Gelände zum ersten Male sah und dichten und teilweise alten auenwald-ähnlichen Baumbestand durchstreifte, war ich begeistert. Es sah alles so urwüchsig und natürlich aus. Aber natürlich war allenfalls der Wildwuchs von Erlen und anderen Laubbäumen rings um die Teiche. Alles andere war letztlich von Menschenhand – von Mertenshand könnte man sagen. Fast alles war auf Veranlassung meines Schwiegervaters, Dr.med. Mertens, den ich leider nicht mehr kennengelernt habe, und seiner Ehefrau Hildegard angelegt. Nur nicht die gigantischen alten Schwarzpappeln am Westufer der Hamel. Und vor allem mit denen fingen die Probleme an:

 

Ihre weiße Samenwolle flog in jedem Frühsommer in der Gegend herum und bedeckte als dicker, weißer, wabernder Teppich die Gärten und Terrassen unserer Nachbarn östlich des Flusses. Ich weiß nicht, über wie viel Jahre hin allein schon dieses Ärgernis und die daraus resultierenden Beschwerden unseren Ortsbürgermeister beschäftigt hatten. Und es kamen ja noch die Sorgen der Stadt Bad Münder und der Wasserbehörde in Hameln dazu, die ebenfalls bei Herrn Möller landeten (und seit 2012 dann auch bei uns):

Denn immer wieder fielen riesige Äste in die Hamel und behinderten den Wasserabfluss. Meine Frau als Eigentümerin ist natürlich verkehrssicherungspflichtig und musste diese Hindernisse auf eigene Kosten durch Firma Mönnig beseitigen lassen – z.B. ein Starkast 476 €! Oder die dräuenden Trockenäste der großen Pappel unmittelbar an der Hamelbrücke: Beseitigung dieser Gefährdung der öffentlichen Sicherheit natürlich auch durch uns! Und kein Ende abzusehen.

 

Unsere Nachbarn im Westen hatten andere Sorgen mit unseren Bäumen: Die Reihe der hohen Blaufichten begann ja schon ganz im Süden an unserer Hütte. Sie und eine riesige Weide beschatteten natürlich von morgens bis mittags die angrenzenden Gärten, und es hat deswegen so manchen Ortstermin gegeben, wobei ich mich zunächst noch für unsere Bäume stark machte. Ich hoffe, man hat mir nun vergeben.

 

Und dies war immer noch nicht alles, was der dichte Baumbestand bewirkte: Er warf Schatten nicht nur auf Nachbarsgärten, sondern auch auf unsere drei Teiche – und nicht nur Schatten warf er, sondern in jedem Herbst zentnerweise Laub. Das musste über kurz oder lang zu einer Verlandung führen, was wir nun wirklich nicht wollten.

 

Im Sommer 2012 haben wir dann endlich und schweren Herzens den Entschluss gefasst, uns von dem größten Teil des Baumbestandes zu trennen. Und stellten den ersten Antrag dafür an die Stadt Bad Münder. Die Antwort: Keine Bedenken – aber: Laut Baumschutzsatzung dürfen keine Bäume > 90 cm Stammumfang gefällt werden, und nicht vom 1.März bis 30. September!

Neuer Antrag im Sommer 2013: Der Fachdienst Ordnungswesen besteht darauf, dass wir als Verkehrssicherungspflichtige die Verantwortung tragen, obwohl wir die Gefährdungsursache nicht beseitigen dürfen.   Na ja, ich war auch mal Beamter …

Aber:     Der Fachdienst Stadtentwicklung:  Die Bäume auf unserer Fläche sind überhaupt nicht im Baumschutzkataster erfasst, also bedarf es auch keiner Fällgenehmigung und wir können machen was wir wollen!!!

Und dieser Fachdienst leitete dann von sich aus unseren Antrag an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont weiter, diese dann an die Wasserschutzbehörde beim Landkreis.

 

Doch was nun? Nach unserer bisherigen Erfahrung würde die Fällung und Entsorgung von etwa 140 Bäumen mindestens 100.000 € kosten. Bei einer Ortsbesichtigung gab mir der Hachmühlener Landwirt Wilfried Waldeck (der früher immer seine Schafe in unserem Gelände weiden ließ) den entscheidenden Tipp: Ein Forstunternehmer aus Uslar, Hilmo Muratovic, könnte an dem Holz interessiert sein und es ohne Kosten für uns werben.

Und so kam es: Hilmo, der mich gleich ganz vertraulich duzte, kam, sah und sagte zu.

 

Doch es gab wieder ein Problem: Die gewaltigen Holzerntemaschinen konnten nur über’s Feld an- und abrücken, ebenso der Holztransport, also das Rücken der Stämme. Und da müssen wir wieder jemandem Dank sagen: Der Eigentümer des Feldes, Fritz Söffker, erlaubte uns die Benutzung seines Feldes zwischen Ernte und Neubestellung, also Ende Juli bis Ende August 2014.

 

So weit so gut – doch die Bäume dürfen naturschutzrechtlich eigentlich erst ab Oktober gefällt werden! Also Antrag an den Landkreis, und tatsächlich erteilte dieser eine Ausnahmegenehmigung, verbunden mit der Auflage für eine Ersatzpflanzung von Bäumen unmittelbar am Hamelufer. Ich habe dann noch um die Genehmigung gebeten, Korbweiden pflanzen zu dürfen, denn die werden, wenn sie richtig zu Kopf-Weiden geschnitten werden, nur wenige Meter hoch, was unsere osthamelschen Nachbarn hoffentlich zu schätzen wissen.

 

Ende August 2014 fand dann endlich die große Holzernte-Aktion statt: Auf der ganzen Fläche etwa 140 Bäume, die ich natürlich vorher alle gekennzeichnet hatte. Im Nordwesten blieben so viele Blaufichten stehen, dass sie ein kleines Wäldchen bilden (unser Westerwald), Brutraum für viele Vögel (z.B. Wacholderdrosseln, Singdrosseln, Buchfinken,  Ringeltauben, Eichelhäher, Elstern), gelegentlicher Rehwildeinstand und stets ein guter Windschutz, auch für den Bienenstand.

 

Nun, nach der Holzernte, sah die Fläche aus wie ein Panzerübungsgelände! Was sollte damit geschehen?

 

Vorübergehend haben wir sie als Pferdeweide verpachtet, doch das konnte wegen der zu erwartenden Schäden keine endgültige Lösung sein.

Da machte uns Günther Hönes, Pächter der Jagd Hachmühlen I, einen guten Vorschlag: Eine Streuobstwiese anlegen, gefördert durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung!

 

Na, wenn ich gewusst hätte, welche bürokratischen und sonstigen Hindernisse uns damit ins Haus stehen würden – ich weiß nicht, ob ich dann noch gewollt hätte.

Doch zunächst musste erstmal ein Antrag erarbeitet werden, der den durchaus anspruchsvollen Förderrichtlinien der Stiftung und dem derzeitigen Stand der Fachliteratur entsprach: 7 Wochen non-stop-Arbeit.  Die Stiftung war nicht abgeneigt, akzeptiert aber grundsätzlich keine Privatpersonen sondern nur gemeinnützige Organisationen als Antragsteller.

Also lag es für uns nahe, die Jägerschaft des Landkreises Hameln-Pyrmont als e.V. von unserem Vorhaben zu überzeugen und als offizieller Antragsteller einzuspringen. Das gelang schließlich auch nach Abschluss einer rechtsverbindlichen Vereinbarung (27.11.2014) über die Zuständigkeiten, und wir sind den Herren dort – namentlich dem Vorsitzenden Herrn Ziegler, dem Schriftführer Herrn Stummeyer und dem Schatzmeister Herrn Meyer – sehr dankbar für die dann folgende reibungslose Abwicklung der finanziellen Seite des Projekts (denn jede Tranche aus der Fördersumme musste von Hameln aus bei der Stiftung angefordert werden, als durchlaufender Posten verbucht und dann an ein von uns eingerichtetes kostenloses  Sonderkonto bei der Commerzbank in Göttingen weitergegeben werden).

 

Endlich, am 8. Dezember 2014, konnten wir den mehrfach überarbeiteten Antrag der Nieders. Bingo-Umweltstiftung in Hannover vorlegen: 7 Seiten Antrag einschl. Kosten- und Finanzierungsplan plus 6 Seiten Projektbeschreibung. Die meisten der 8 verschiedenen Positionen darin (1. Offenhaltung von Stillgewässern, 2. Streuobstwiese mit Totholzhaufen, 3. Büsche und Bäume zum Vogelschutz, 4. Wildblumenwiese, 5. Nistgeräte für Vögel, 6. Lesesteinhaufen, 7. Förderung von Bienenständen, 8.Geräte und Werkzeuge) können wir nachher auf dem Rundgang „leibhaftig“ sehen.

 

Dann plötzlich hing alles an dem berüchtigten „seidenen Faden“:

Die Stiftung war von jemandem darauf hingewiesen worden, dass die Projektfläche im Überschwemmungsgebiet der Hamel läge, mithin untauglich für Streuobstanbau sei!

Am 9. Februar kamen dann eine Vertreterin der Unteren Wasserbehörde des Landkreises (Frau Podzelny) und ein Herr der Stadtverwaltung Bad Münder (Herr Strack) zur amtlich vorgeschriebenen Abnahme der erwähnten Ersatzpflanzung für die am Hamelufer gefällten 14 Pappeln. Mit den 23 Korbweiden, die wir im Spätherbst eigenhändig gepflanzt hatten, war man einverstanden. 

 A b e r  :  der riesige, 60 m lange Wall von Totholz, ein besonderer Liebling von Bingo, also die Holzreste aus der Baumfällaktion, das ginge ja nun gar nicht! Das muss alles weg, kein Ast darf im Überschwemmungsgebiet liegen!!!

Wer soll das bezahlen? Zehntausend Euro würde das womöglich kosten, vorausgesetzt, man fände überhaupt einen daran interessierten Unternehmer!

Liebe Frau Podzelny, bat ich, schauen Sie doch bitte ganz bald mal in die hydrologischen Karten Ihrer Behörde, ob dieses Gelände wirklich zum Überschwemmungsgebiet der Hamel gehört!?

Ja gern, morgen haben Sie Nachricht!

Und tatsächlich, am nächsten Vormittag finde ich eine schöne bunte Karte in meiner e-mail-Post: Unser Gelände liegt  nicht  im Überschwemmungsgebiet!!!

 

So erhielten wir (bzw. die Jägerschaft des Landkreises als Antragsteller) dann schließlich am 4. Mai 2015 die Bewillig unseres Antrags durch die Bingo-Umweltstiftung.

 

Was dann die Durchführung des Projekts betrifft, so will ich Sie mit weiteren Details verschonen. Nur so viel: Inzwischen sind 4 Aktenordner voll, der 5. in Bearbeitung!

Von den privaten finanziellen Aufwendungen – „bare Eigenleistungen“ nennen die Förderrichtlinien das – mal ganz zu schweigen.

 

Zu guter Letzt und an dieser Stelle möchte ich mich mal ausdrücklich bei unserem Ortsbürgermeister bedanken!

Denn obwohl ich mich anfangs, in meiner försterlichen Begeisterung für unseren „Wald“ an der Hamel, beharrlich weigerte, einer Total-Lösung mit Fällung aller Pappeln zuzustimmen, behielt Herr Möller stets seine freundliche Umgänglichkeit bei Ortsterminen und in amtlichen Schreiben bei. Und heute, wo alle Probleme gelöst sind, nimmt er in einer für uns höchst erfreulichen Weise Anteil an der Entwicklung der Mertensaue. Übrigens gilt das auch für unsere lieben Nachbarn im Osten und Westen, was ich hier dankbar anmerken möchte.

 

Wer nun an den Details des Projektes, z.B. an einer aktuellen Liste der beobachteten Tier- und Pflanzenarten oder am Projektverlauf besonders interessiert ist, der könnte davon alles auf unserer bebilderten Homepage  <www.mertensaue-hachmuehlen.de> erfahren. Ich selber bin ja aus dem Alter heraus, in dem ich ein solches IT-Werk erstellen könnte – außer dass ich die Texte und Daten aufschreibe –, und deswegen sind wir meiner Tochter Ariane-Yasmin Niemeyer dankbar, die alle gelieferten Daten und Bilder zu einer hübschen Präsentation kompiliert hat.

 

 

So, liebe Gäste, diesen Hindernislauf vorweg!

 

Und nun der hoffentlich nicht ganz so beschwerliche Parcours durchs Gelände, auf dem wir alle wichtigen „Positionen“ unseres Antrags an die Stiftung in natura kennen lernen werden.